Die Provinzen Nordspaniens - Teil I

Galizien, Asturien, Kantabrien und das Baskenland

Wenn es um die Planung des Sommerurlaubs in Spanien geht, denken die meisten Touristen an Andalusien, Mallorca oder die Costa Brava. Gerade in den Sommermonaten kann es dort jedoch sehr heiß sein. Oft sind die Strände dann absolut überlaufen und man kommt kaum dazu die spanische Kultur und Landschaft zu genießen, da man mehr auf Landsleute als auf Einheimische trifft.

Wesentlich weniger hektisch geht es dagegen in den nordspanischen Provinzen zu. Das Klima ist hier deutlich milder, die Landschaft grüner und die Menschen wesentlich entspannter. Bettenburgen und Ballermann-Tourismus findet man in Galizien, Kantabrien, Asturien und dem Baskenland nicht. Unter Reisenden gilt die sogenannte „Costa Verde“ in Nordspanien immer noch als Geheimtipp – und das obwohl sich die schönsten Strände des Landes eigentlich hier befinden.

Gerade weil die Region touristisch noch nicht sehr stark erschlossen ist, gestaltet sich die Anreise manchmal gar nicht so einfach. Größere Flughäfen gibt es in:

  • Bilbao
  • Asturias
  • Santiago de Compostela
  • Vigo

Nur selten werden diese direkt aus München angeflogen. In den meisten Fällen lohnt sich ein Flug mit Zwischenstopp in Barcelona oder Madrid. Alternativ kann man von dort aus auch mit dem Mietwagen zu einer Rundreise aufbrechen. Somit sieht man auch mehr von der Landschaft.

Hotel buchen

Prüfen Sie hier Verfügbarkeit und Preise. Im Anschluss können Sie Ihr Wunschhotel buchen.
Stornierungen und Umbuchen sind jederzeit kostenlos möglich. ...mehr


Vom Bergmassiv zum Traumstrand

Im Gegensatz zum sonst sehr trockenen, heißen Klima in Spanien, sorgt der Atlantische Ozean für mildere, angenehm warme Temperaturen. Die vermehrten Niederschläge bilden die Grundlage für eine unübertreffliche Pflanzenvielfalt in der gesamten Region. Dort bieten die leuchtend grünen Küstenabschnitte mit ihren zahlreichen, versteckten Buchten immer noch geheime Strände, die nur von den wenigsten Touristen erreicht werden.

So zum Beispiel auch die „Playa de Andrin“ in der Nähe der asturischen Stadt Llanes. Weitestgehend unberührt liegt sie eingeschlossen von malerischen, grünen Steilklippen, an denen das türkisblaue Wasser bricht. Der feine Sand führt flach in den Atlantik, in welchem die Wellen auch bei gutem Wetter eine beachtliche Größe erreichen können. Deshalb trifft man hier an der Costa Asturina auch den ein oder anderen einsamen Surfer an, der sich bei einem kühlen „Cerveza“ bestimmt nur zu gerne in ein Gespräch über sein Hobby verwickeln lässt. Auch zum Windsurfen und Kitesurfen bieten sich nahezu ideale Bedingungen.

Einer der Traumstrände an der Costa Verde in Nordspanien

Einer der Traumstrände an der Costa Verde in Nordspanien (Bild: © Argonautis – Fotolia.com)

Neben den unvergleichlichen Stränden und spektakulären Klippen hat die Costa Verde noch viel mehr zu bieten. Bewegt man sich ins Inland der spanischen Provinzen findet man eine gebirgige, zerklüftete Landschaft vor, die zum Wandern und aktivem Erleben der Natur einlädt. So durchstreift man grüne Weiden, auf denen Kühe und Schafe grasen und Gebirge mit Gipfeln, die über 2000m hoch sind – ein bisschen fühlt es sich so an, als hätte man Irland oder das Alpenvorland kurzerhand in wärmere Gefilde verlegt. Die Natur bleibt dabei unberührt, die zahlreichen Nationalparks werden durch die UNESCO geschützt, wie zum Beispiel die Region „Picos de Europa“. Von den Kalkstein-Gipfeln dieses Bergmassivs bieten sich atemberaubende Panorama-Blicke auf den blauen Ozean und die grüne Landschaft, welche sich bis zu den nahegelegenen Stränden zieht. Der Übergang von Meer und Gebirge – er verläuft an der Costa Verde so fließend wie sonst in kaum einer anderen Region auf der Welt.


Lebendige Städte, direkt am Meer

Wem die Einsamkeit der abgelegenen Strände und weitreichenden Naturparks irgendwann zu langweilig wird, kann sich in den bunten Trubel der lebendigen Küstenstädte stürzen. San Sebastìan. Bilbao, Santander – überall findet man feierwütige Spanier, die das Leben in vollen Zügen genießen. Die Architektur dieser mittelalterlichen Großstädte unterscheidet sich dabei deutlich vom üblichen Stil im Rest des Landes.

Die Jugendstilarchitektur bestimmt das Stadtbild von San Sebastìan und wird durch strenge Bauvorschriften von den Stadtvätern geschützt, Wichtig ist dabei, dass der Blick auf die weitreichende Bucht „La Concha“, um die die Stadt herum gebaut wurde, stets frei bleibt. Tagsüber lässt es sich an diesem populären Stadtstrand wunderbar entspannen, bevor es dann am Abend auf Tapas-Tour (auf Baskisch: Pintxos) durch die engen Gassen der Altstadt geht.

Bilbao, eine weitere Küstenmetropole im Baskenland, kann hingegen mit anderen architektonischen Highlights aufwarten. Der Bau des spektakulären Guggenheim-Museums im Jahr 1997 richtete den Blick der Weltöffentlichkeit auf die Stadt. Auf über 11.000m² lässt sich hier überwiegend moderne Kunst aus aller Welt genießen. Schnell entwickelte sich das Museum zu einem Touristenmagnet und sorgte für einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung in der Region – der sogenannte „Bilbao-Effekt“.

Aber nicht nur das Baskenland kann mit spektakulärer Architektur auftrumpfen, auch in den anderen Provinzen finden sich Städte die kulturelle extrem viel zu bieten haben. So zum Beispiel Oviedo im Fürstentum Asturien: Am besten erkundet man den die Universitätsstadt zu Fuß, da der gesamte Altstadtkern zur Fußgängerzone erklärt wurde. Ein Spaziergang durch die Stadt führt vorbei an prächtigen Residenzen, wie dem Camposagrado-Palast, und anderen eindrucksvollen Gebäuden, wie der spätgotischen Kathedrale San Salvador. Auch Filmfans kommen auf Ihre Kosten: Woody Allen ist mit einer Statue in der Stadt verewigt, als Dank dafür, dass er Oviedo in seinen Film „Vicky Cristina Barcelona“ thematisierte.

Besonderes Highlight und gleichzeitig beliebtestes Reiseziel in Nordspanien, ist Santiago de Compostela mit seiner spektakulären Kathedrale. Hier endet der „Camino de Santiago“, der berühmte Jakobsweg, welcher Jahr für Jahr von tausenden Wanderern und Pilgern begangen wird. Der nördliche Zweig des Pilgerwegs, der „Camino del Norte“ verläuft hauptsächlich parallel zur Küstenlinie der Costa Verde und gilt als einer der eindrucksvollsten Wanderwege Europas.


Spanien, und doch ganz anders

Kelten, Römer, Apfelwein – Die nordspanischen Provinzen besitzen eine bunte Geschichte und eine ganz eigentümliche Kultur. Gerne grenzen sich die Einwohner dieser Region gegenüber den anderen Spaniern ab. Für das „Nationalgetränk“ Sidra, ein Apfelwein der an den französischen Cidre erinnert, lässt ein Nordspanier sogar seinen Rotwein stehen.

Vor allem die Galizier und Asturier sind besonders stolz auf ihre keltischen Wurzeln. Dieser Volksstamm siedelte sich nämlich nicht nur in Irland und Schottland an, sondern ab 700 v. Chr. auch im Norden Spaniens. Der keltische Stamm der Gallaeker gibt der Region Galizien bis heute ihren Namen. Mehrere Jahrhunderte lebten die Kelten in Nordspanien und prägten durch ihre fortschrittliche Kultur die Lebensweise der Menschen. Bis heute haben sich aber die Einflüsse der keltischen Kultur in den Provinzen gehalten: Die eigenständigen Sprachen in den Regionen, wie zum Beispiel Galicisch, besitzen oft keltische Wurzeln.

Auch traditionelle Musik und Tanz gehen stark auf die Kelten zurück. Die wenigsten Menschen würden wohl kaum Dudelsäcke in Spanien erwarten – und doch ist die Gaità, der galicische Dudelsack, ein fester Bestandteil der lokalen Volksmusik. Das mit Ziegen- oder Schafsfell bezogene Instrument wird gerne mit voller Lautstärke gespielt und erreicht bis zu 120 Dezibel. Mit Flamenco und Kastagnetten hat das wenig gemein. Die Klänge erinnern eher an schottischen oder irischen Folk und sind auch für kontinentaleuropäische Ohren definitiv eine musikalische Erfahrung wert.

Im Jahre 60 v. Chr. mussten die Kelten dann abtreten und die Römer übernahmen unter Führung von Julius Caesar die Kontrolle. Nach dem Zerfall des römischen Reichs wechselten die westgotischen Könige in Nordspanien immer mal wieder, bis im Jahre 711 die Mauren begannen, Spanien zu erobern. Bald herrschten sie über den Großteil von Spanien – nur an Nordspanien sollten sie sich die Zähne ausbeißen. Der heutige Nationalheld Pelayo zettelte eine großangelegte Rebellion an und es gelang, die Mauren aus der Region zu vertreiben. Anschließend gründete man das christliche Königreich Asturien, von wo aus die Reconquista, die Rückeroberung des restlichen Spaniens, begann. Bis heute sind die Menschen in Nordspanien sehr stolz darauf, dass sie als einziges Volk in Spanien den Mauren widerstehen konnten. Ein ausgeprägter Nationalstolz und ein starkes Unabhängigkeitsbedürfnis sind die direkte Folge davon.

Hotel buchen

Prüfen Sie hier Verfügbarkeit und Preise. Im Anschluss können Sie Ihr Wunschhotel buchen.
Stornierungen und Umbuchen sind jederzeit kostenlos möglich. ...mehr

Weitere Informationen finden Sie hier: