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Otl Aicher und die 1,20 Meter: Die geheime Ordnung des Flughafens München

 |  Ralf Zmölnig
Dachstruktur des MAC Münchner Airport Center Forum mit geschwungenen Textilbögen, Glasfassaden und Bürogebäuden im Innenhof - Impression vom München Airport Center Forum
Lichtdurchflutetes Dach des MAC am Münchner Airport – moderne Architektur trifft Mobilität.

Warum wirken die Hallen in München so hell? Warum findet man sich hier schneller zurecht als anderswo? Und warum tanzt kein einziges Gebäude auf dem Areal aus der Reihe? Die Antwort steht in einem Regelwerk, das zehn Jahre vor der Eröffnung begann und bis heute gilt: den Gestaltungsrichtlinien der Flughafen München GmbH. Ihr geistiger Vater ist Otl Aicher, einer der einflussreichsten Gestalter Deutschlands. Wir haben das Kapitel zu den Bauten gelesen und zeigen Ihnen, worauf Sie beim nächsten Abflug achten können.

📐 Ein Regelwerk, zehn Jahre vor der Eröffnung

Als der Flughafen München im Mai 1992 im Erdinger Moos eröffnete, war das Erscheinungsbild längst festgeschrieben. Bereits 1982 legte Otl Aicher im fünften Heft der Gestaltungsrichtlinien unter dem Titel »Konstanten« fest, nach welchen Prinzipien hier gebaut werden sollte. Aicher, Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm und Schöpfer der Piktogramme der Olympischen Spiele 1972 in München, dachte einen Flughafen konsequent vom Design her.

Jedes moderne Bauwerk stellt ein rational kalkuliertes Objekt dar. Funktionelle, konstruktive oder statische Abstimmung ist nur möglich durch eine Standardisierung der Maße in einem Maßsystem. Dabei sind die verschiedensten Maße, Proportionen, Konstruktionen, Materialien durch einen gemeinsamen Nenner so aufeinander bezogen, daß sie ineinander schlüssig aufgehen.Otl Aicher, Gestaltungsrichtlinien, Heft 5, »Konstanten«, 1982

Die Herausforderung war dabei von Anfang an klar: Ein Areal dieser Größe lässt sich nicht einem einzigen Architekturstil unterwerfen. Gleichzeitig sollte auch nicht jedes Gebäude seinen eigenen Auftritt bekommen, weil das Gesamtbild sonst ins Heterogene abgedriftet wäre. Der Gestalter Eberhard Stauß beschrieb den Ausweg 1992 so:

Es war also mehr die Aufgabe, eine Haltung gegenüber der Architektur zu definieren und zu verabreden, die sich an einem fortentwickelten Funktionalismus und am klassischen Begriff des Produktdesign orientierte.Eberhard Stauß, Gestaltungsrichtlinien, Teil 2, »Landschaft, Bauten, Ausstattungen«, 1992

Ein Flughafen also, der wie ein Industrieprodukt entworfen wurde: nicht als Sammlung von Einzelbauten, sondern als System mit gemeinsamen Bauteilen, Farben und Proportionen.

📏 Die Grundeinheit: 1,20 mal 1,20 Meter

Das eigentliche Geheimnis der Münchner Ordnung ist eine Zahl, die kaum ein Passagier kennt. Dem gesamten Flughafen liegt ein Maßsystem mit der Grundeinheit von 1,20 mal 1,20 Metern zugrunde, ausdrücklich einschließlich der Diagonalen. Grundrisse, Fassaden und Wandgliederungen beruhen auf diesem Raster, ebenso die Modulreihen, die sich aus ihm ableiten: 60, 120, 240 und 960 Zentimeter.

Daraus ergeben sich die Merkmale, die das »Gesamtsystem Architektur« bis heute prägen:

  • Modulare Gebäudestrukturen und klare, kubische Baukörper
  • Horizontale Ausrichtung: Die Bauten sind in die Breite gegliedert, nicht in die Höhe
  • Leichtigkeit durch Transparenz und durch die Art, wie die Gebäude ans Gelände anschließen
  • Konsequenter Einsatz von Rundstützen, ein Detail, das sich quer über das Areal wiederholt
  • In der Tiefe geschichtete Fassaden mit filigranen Profilen für Fenster, Brüstungen, Geländer und Sonnenschutz
  • Eindeutig ersichtliche Eingangsbereiche, ein wesentlicher Grund für die gute Orientierung

Selbst die kleinen Zweckbauten sind erfasst. Für Pumpwerke, Geräteunterstände und Bushaltestellen gilt ein eigenes Fassadenraster mit einem Grundmaß von 30 Zentimetern. Attikaähnliche Aufbauten, horizontal geführte Gesimsabdeckbleche und abgesetzte Sockelzonen sind ausdrücklich nicht zulässig.

🎨 Weiß, Silber, Flughafengrau: das Farbklima in RAL-Nummern

Auch die Farben sind kein Zufall, sondern exakt definiert. Drei Töne bestimmen das Erscheinungsbild:

  • Weiß, RAL 9016: für die zentralen Gebäude der Flugabfertigung
  • Flughafengrau, RAL 7011: als Farbe der Betriebsbereiche
  • Silber, RAL 9006: die Materialfarbe von Aluminium und Stahl

Nebengebäude erhalten ein lichtes Grau (RAL 7035) oder ebenfalls Silber. Ergänzt wird das Farbkonzept durch ein festes Materialrepertoire aus Stahl, Aluminium, Glas, Granit und Beton.

Die Logik dahinter ist bemerkenswert: Die zentralen Abfertigungsgebäude sind weiß, weil ihnen damit »jegliche Schwere genommen« wird. Aus der Ferne heben sie sich leicht von der weiten Landschaft ab. Die Differenzierung der Bauzonen erfolgt bewusst in enger Farbnachbarschaft, denn die ästhetische Qualität soll nicht im Kontrast entstehen, sondern im Spiel der Annäherung und der leichten Varianz. Otl Aicher selbst formulierte die Leitidee schon 1982 sehr knapp: »Die erste Aussage zum Farbkonzept lautet: Der Flughafen München wird ein Flughafen im Grünen.«

💡 »Ein Flughafen des Lichtes«: warum München weiß ist

Die schönste Begründung für die Farbwahl stammt von Hans-Busso von Busse, dem Architekten des Terminal 1. Er verband die Helligkeit der Hallen mit einer regionalen Bautradition:

Lichtdurchflutet erlebt der Passagier die weiten Hallen des tausend Meter langen Flughafengebäudes. Licht vermittelt Offenheit: Es vermittelt Weite, Vertrauen und auch Heiterkeit […] Licht und die das Bauwerk bestimmende Farbe Weiß bedingen einander. Ihr wechselvolles Wirken und das Spiel dieses Lichtes mit dem Raum verleihen Eigenheit und Identität […] ein Flughafen des Lichtes!Prof. Hans-Busso von Busse, Gestaltungsrichtlinien, Teil 2, 1992

Von Busse verwies dabei ausdrücklich auf den Barock: Im Voralpenland war man sich der besonderen Qualität des Lichtes bewusst, und der Farbe Weiß wurde deshalb ein hoher Gestaltwert eingeräumt. Wer das nächste Mal in Terminal 1 auf seinen Flug wartet, steht also in einer Halle, deren Farbgebung sich auf bayerische Kirchenbaukunst beruft.

🌉 Das MAC als Tor: Helmut Jahn und die Figur des großen H

Ein zweites Wahrzeichen kam Anfang der neunziger Jahre hinzu. Der Architekt Helmut Jahn entwarf mit dem München Airport Center (MAC) den überdachten Mittelpunkt zwischen den Terminals:

Von der Zufahrt zum Flughafen München, von Westen her gesehen, wird der Bogen des Daches des MAC, der über den Terminals schwebt, zum Kennzeichen. Er wird zum Tor, welches das Erlebnis der Ankunft versinnbildlicht.Helmut Jahn, Büro Murphy/Jahn, 1989 und 1991

Jahn verstand das MAC zugleich als Verbindungspunkt zwischen zwei Epochen der Mobilität: der Luftfahrt als Verkehrsmittel des 20. und 21. Jahrhunderts und der Eisenbahn als jener des 19. Jahrhunderts. Das Dach deutet in seiner Form auf den Flug, in Material und Technologie ins 21. Jahrhundert.

Mit dem Bau von Terminal 2 wurde diese Ordnung fortgeschrieben. Nach der Beschreibung von Norbert Koch aus dem Jahr 2002 ergänzen das neue Terminal und der Pier die bestehenden Anlagen zur Figur eines großen »H« mit optimalen land- und luftseitigen Abwicklungsflächen. Das MAC bleibt darin der geometrische und optische Mittelpunkt des gesamten Flughafens.

🔍 Sechs Details, die Sie beim nächsten Abflug erkennen

Das Faszinierende an den Gestaltungsrichtlinien ist, dass sie bis in die Möblierung hineinreichen. Wer weiß, worauf er achten muss, entdeckt das System überall:

  • Runde Stützen statt eckiger Pfeiler: Der konsequente Einsatz von Rundstützen ist eine ausdrückliche Vorgabe und zieht sich durch alle Bauten.
  • Geländer aus Edelstahlrundrohr: Geländer, Handläufe und Absperrungen sind einheitlich als Edelstahlrundrohre auszuführen, quer über das gesamte Areal.
  • Orthogonal verlegte Fliesen: Auch die Bodenbeläge folgen dem Raster, ergänzt durch Natursteinbeläge aus Granit.
  • Lochbleche und Strukturbleche: Sie gehören zum festen Materialkanon, ebenso wie transparentes und bedrucktes Glas.
  • Produktfamilien statt Einzelstücke: Bei Möblierung, Armaturen und Beschlägen werden zusammengehörige Serien bevorzugt, damit nichts aus der Reihe fällt.
  • Unveränderte Primärstruktur: Das Stützenraster und die sichtbaren Tragwerkskonstruktionen dürfen bei Umbauten nicht angetastet werden. Deshalb wirkt der Flughafen nach über drei Jahrzehnten immer noch wie aus einem Guss.

🏨 Hotels, Besucherpark, Mietwagenzentrum: alles Teil der Anlage

Ein Blick in den Übersichtsplan der Bauten und Anlagen zeigt, wie weit der Gestaltungsanspruch reicht. Neben Terminal 1, Terminal 2, dem Zentralgebäude mit S-Bahnhof, dem MAC und dem Kontrollturm sind dort auch ein Hotel der Fünf-Sterne-Kategorie, ein Hotel mit drei Sternen plus, das Mietwagenzentrum und der Besucherpark verzeichnet. Sie sind keine angedockten Fremdkörper, sondern gehören zum Bestand des Flughafens und folgen denselben Regeln.

Genau das macht eine Übernachtung vor Ort so besonders. Bei unseren Angeboten für ein Hotel mit Parken am Flughafen München reisen Sie schon am Vorabend an, übernachten wenige Minuten vom Terminal entfernt und lassen Ihr Auto während der gesamten Reise sicher auf dem Hotelparkplatz stehen; der Transfer zum Terminal ist in der Regel inklusive. Statt im Dunkeln loszufahren und gehetzt am Check-in zu stehen, haben Sie am Morgen tatsächlich Zeit, die Halle wahrzunehmen, in der Sie stehen. Für Familien, für Reisende mit langer Anfahrt und für alle mit frühem Abflug ist das ohnehin die entspannteste Variante.

🅿️ Architektur entdecken statt hetzen

Wer den Flughafen als Bauwerk erleben möchte, braucht vor allem eines: Zeit vor Ort. Der Besucherpark im nordwestlichen Betriebsbereich ist dafür der klassische Ausgangspunkt, und von dort aus lässt sich der Dachbogen des MAC genau aus jener westlichen Perspektive betrachten, die Helmut Jahn beschrieben hat.

Wenn Sie den Flughafen jedoch nicht aus der Ferne, sondern von innen erleben möchten, also die weißen Hallen, die Rundstützen, die Edelstahlgeländer und den Dachbogen des MAC aus nächster Nähe, dann führt der bequemste Weg über das Terminalparken P20. Das überdachte Parkhaus liegt direkt auf dem Flughafengelände an der Terminalstraße Mitte, und von dort sind es nur rund zwei Minuten zu Fuß bis ins Terminal 2. Ein Shuttle brauchen Sie nicht, Sie stehen also praktisch sofort mitten in der Architektur, über die dieser Beitrag handelt. Die Zufahrt erfolgt per QR-Code, der Schlüssel bleibt bei Ihnen, und bei der Ausfahrt genügt das Vorzeigen des Codes. Für einen Architekturspaziergang ist das die ideale Ausgangsbasis: erst durch das Zentralgebäude mit S-Bahnhof, dann über das Forum des MAC, weiter in die Halle von Terminal 2 und, wenn Sie das Lichtkonzept von Hans-Busso von Busse im Original sehen möchten, hinüber nach Terminal 1.

Ein praktischer Tipp für den Besuch: Im Terminal 2 auf Ebene 03, noch vor der Sicherheitskontrolle, liegt ein EDEKA-Supermarkt, der täglich von 5.30 bis 23.00 Uhr geöffnet hat. Wer dort einkauft, kann im P20 unter bestimmten Voraussetzungen bis zu einer Stunde kostenlos parken. Alle Details dazu, inklusive Mindesteinkaufswert und der Stelle, an der Sie Ihre Kassenbons vorlegen müssen, haben wir im Beitrag EDEKA am Flughafen München: alle Infos und wo Sie kostenlos parken zusammengestellt. Für einen kurzen Abstecher zum Schauen und Staunen lässt sich das gut kombinieren.

Wenn Sie hingegen tatsächlich verreisen und Ihr Auto länger stehen bleibt, sollten Sie den Stellplatz in jedem Fall vorab sichern. Über Parken am Flughafen München vergleichen und buchen Sie geprüfte Parkplätze und Parkhäuser in Flughafennähe zum Festpreis, vom einfachen Shuttle-Parkplatz bis zum überdachten Stellplatz. Die Transferzeiten sind kurz, der Platz ist durch die Online-Reservierung garantiert, und gegenüber dem spontanen Parken direkt am Terminal sparen Sie in der Regel deutlich. Weitere Tipps rund um Tarife, Anfahrt und Stellplatzwahl finden Sie in unserer Rubrik Parken.

Und die Gestaltungsrichtlinien sind kein abgeschlossenes Kapitel: Sie werden bei jedem Neubau weitergeführt, zuletzt beim neuen Pier am Terminal 1. Wie sich der Flughafen aktuell entwickelt, lesen Sie in unserem Beitrag zum Rekordjahr und dem neuen T1-Pier sowie laufend in unseren Airport-News.

✅ Für Sie zusammengefasst

  • Otl Aicher legte bereits 1982, zehn Jahre vor der Eröffnung, die Gestaltungsrichtlinien des Flughafens München fest und dachte den Airport konsequent als Designprodukt.
  • Dem gesamten Areal liegt ein Maßsystem mit der Grundeinheit 1,20 mal 1,20 Meter zugrunde, aus dem sich die Modulreihen 60, 120, 240 und 960 Zentimeter ableiten.
  • Das Farbklima ist exakt definiert: Weiß (RAL 9016) für die Abfertigungsgebäude, Flughafengrau (RAL 7011) für die Betriebsbereiche und Silber (RAL 9006) als Materialfarbe.
  • Hans-Busso von Busse begründete das Weiß mit dem Licht des Voralpenlandes und der barocken Bautradition; Helmut Jahn schuf mit dem Dachbogen des MAC das Tor zum Flughafen.
  • Hotels, Besucherpark und Mietwagenzentrum sind Teil dieser gestalteten Gesamtanlage. Wer sie in Ruhe erleben will, kommt am besten mit dem Auto: Über Parken am Flughafen München sichern Sie sich vorab einen geprüften Stellplatz zum Festpreis inklusive Shuttle, und mit einem Hotel mit Parken übernachten Sie direkt vor Ort, starten ausgeschlafen in den Reisetag und lassen Ihr Auto währenddessen sicher stehen.

Alle Zitate und gestalterischen Vorgaben stammen aus den Gestaltungsrichtlinien der Flughafen München GmbH, Kapitel 4 »Bauten«.

Artikel: Otl Aicher und die 1,20 Meter: Die geheime Ordnung des Flughafens München
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